AKTUELLES


Juli 2024

Tätigkeitsbericht des Arbeitskreises für Greifvogel- Eulenschutz Sachsen-Anhalt e.V. (AGESA e.V.) für das Jahr 2023

Die Aktivitäten im Berichtsjahr 2023 waren deutlich vielfältiger als in den Jahren zuvor. Neben den obligatorischen Erfassungen in den Habitaten des Steinkauzes im nördlichen Harzvorland und im Großen Bruch sowie der Pflege in den Lebensräumen, wurde sich erstmalig auch um den Bestand einer weiteren Kleineule, den Sperlingskauz, gekümmert. Doch der Reihe nach:

Nachdem auf der Mitgliederversammlung im Spätsommer 2022 die Geschäfte des AGESA e.V. nach den Corona-Jahren neu geordnet und in diesem Zusammenhang einige wichtige Entscheidungen getroffen wurden, konnte das Jahr 2023 mit viel Elan begonnen werden.

Bei Arbeitseinsätzen zum Beispiel am 04.03.2023 wurden Sturmschäden auf der Streuobstwiese an der Gersdorfer Burg beseitigt. Durch das Engagement von Norbert Rußwurm konnte die Weidefläche, die inzwischen an einigen Stellen sehr dicht von Feld- Mannstreu (Eryngium campestre) bewachsen war, befreit werden.

Durch die bisher erhaltenen Spenden war es möglich, essenzielle Gerätschaften, die für die Pflegemaßnahmen notwendig sind, anzuschaffen. Dazu gehören neben einer Motorsäge und einem Freischneider auch Harken. Zudem wurde eine neue Leiter zur Kontrolle der Nistkästen beschafft. Um die Lieferschwierigkeiten mit Eintagsküken, die zur Versorgung der Steinkauz- Zuchtpaare sowie der Pfleglinge erforderlich sind abzupuffern, wurde in eine Gefriertruhe investiert. page1image32512720 page1image32512928 page1image32513136 page1image32513344 page1image32513552 page1image32513968 page1image32514176 page1image32514592 page1image32514800 page1image32516672 page1image32516880 page1image32517088 page1image32517504 page1image32517296 page1image32518128 page1image32533264 page1image32533472 page1image32528064 page1image32532848

 

Durch die gezielte Erfassung in den potenziellen Steinkauzhabitaten sowie durch Hinweise von anderen ehrenamtlichen Ornithologen und Naturschützern konnten erneut viele Nachweise von Steinkauzrevieren und Brutpaaren im Projektgebiet und darüber hinaus zusammengetragen werden.

Die meisten in den Vorjahren neu erlangten Nachweise von Steinkauz-Brutpaaren, konnten auch in diesem Jahr bestätigt werden. Ein wesentlicher Grund für die Beständigkeit und die geringen Verluste wird wahrscheinlich der milde Winter 2022/2023 sein. Erfreulicherweise wurden auch im Großen Bruch bei Wulferstedt erneut zwei Brutpaare festgestellt. Darüber hinaus wurde ein Brutplatz im Großen Bruch bei Hornburg bekannt. Das Vorkommen liegt etwa 35 Kilometer westlich von Wulferstedt. Zusammen mit den Nachweisen im Raum Aschersleben (bei Drohndorf und Arnstedt) aus dem Vorjahr, scheint sich das Bild zu verstärken, dass die ausgewilderten Steinkäuze oder deren Nachkommen auch weitere Strecken zurücklegen können.

 

 

Insgesamt wurden in der Brutsaison lediglich Bruten mit 3 Jungvögel festgestellt. Eine der kontrollierten Bruten wurde in einem Nistkasten gefunden und beringt. Ursächlich für die geringe Reproduktion ist wahrscheinlich die weiterhin geringe Abundanz von Kleinsäugern, die scheinbar kaum vom Vorhandensein von Insekten in den Steinkauzhabitaten ausgeglichen werden kann.

In der Auswilderungssaison 2023 wurden insgesamt 40 Steinkäuze ausgewildert. Die nachgezüchteten Jungtiere wurden an zwei Hauptstandorten ausgewildert. Die meisten Aussetzungen erfolgten bei Wulferstedt am Großen Bruch und im Raum Quedlinburg.

Die langjährige Beweidung der Streuobstwiese auf der Gersdorfer Burg durch Heidschnucken wurde auch in diesem Jahr fortgesetzt. Zum Erhalt der Herde und zur Vermeidung von Inzucht besteht nun schon seit vielen Jahren ein Netzwerk aus Schafzüchtern, um regelmäßig Zuchttiere zu tauschen.

Die Trockenheit der letzten Jahre sowie die winterlichen Stürme setzen dem Altbaumbestand im Projektgebiet weiterhin zu, sodass der Bedarf an Pflege zum Erhalt der Bäume immer wichtiger und zeitaufwendiger wird. Zudem müssen die abgängigen Bäume durch Nachpflanzungen dringend kompensiert werden.

Um weiterhin Nisthilfen für den Steinkauz in passenden Lebensräumen anbringen zu können und alte Nisthilfen auszutauschen, wurden bei der SUNK – Stiftung Umwelt-, Natur und Klimaschutz Fördermittel beantragt. Anfang des Jahres 2023 erhielten wir den positiven Bescheid und konnten Steinkauz-Nisthilfen im Wert von 3.000€ kaufen. Ein Teil dieser Nistkästen konnte bei Arbeitseinsätzen bereits in Lebensräumen des Steinkauzes aufgehängt werden.

Abseits des Projektes zur Wiederansiedlung des Steinkauzes im nördlichen Harzvorland hat der AGESA e.V. ein Projekt zur Unterstützung des Sperlingskauzes in den Wäldern des Unterharzes begonnen. In Zusammenarbeit mit der S.C.R.O.- Gesellschaft zum Schutz und zur Erforschung von Eulen - Sektion Deutschland e.V. wurde der Bau von Nisthilfen organisiert. Im Berichtsjahr wurden insgesamt 50 Nisthilfen gefertigt und 24 in passenden Lebensräumen im Unterharz ausgebracht.

In diesem Sinne hoffen wir auf weitere erfolgreiche Jahre für die Kleineulen in unserem Projektgebiet.

 

Eckhard Kartheuser 2. Vorsitzender


Juni 2024

"Projekt Sperlingskauz" ist wie schon erwähnt ein voller Erfolg! Nun sind alle jungen Sperlingskäuze ausgeflogen und werden noch einige Zeit von ihren Eltern mit Nahrung versorgt. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr, vielleicht sind dann auch noch mehr Nistkästen besetzt ;-). Fotos: K.Baranowski


Mai 2024

Mit großer Freude stellten wir (AGESA / SCRO) fest, dass in 2 Sperlingskauz-Nistkästen eine erfolgreiche Brut und Jungenaufzucht statt fand. Nicht nur das, es war auch zugleich eine "kleine" Sensation, denn in jedem Nistkasten befanden sich 8 gut genährte Jungkäuze! Damit hatten wir nicht gerechnet! Somit konnten wir insgesamt 16 junge Sperlingskäuze kurz vor dem Ausfliegen beringen und deren Daten erfassen. Wir sind schon gespannt, wie sich dieses Projekt in den nächsten Jahren entwickelt, der Anfang ist gemacht ;-). Großen Dank an alle, die uns bei diesem Projekt unterstützen!                                       Fotos: K.Baranowski / R.Steinberg 


April 2024

Die ersten Sperlingskauz-Nistkästen von insgesamt 60 wurden kontrolliert und es scheint ein "Erfolgsprojekt" zu werden! Voller Freude konnten wir (SCRO und AGESA) feststellen, dass die ersten Nistkästen vom Sperlingskauz belegt sind! Drücken wir dem kleinen "Spauz" die Daumen das die Brut erfolgreich verläuft und viele kleine Sperlingskäuze ausfliegen!                                                                                                                                                                                                                    Foto: K.Baranowski


März 2024

Unser Steinkauz-Plakat frisch aus der Druckerei. Werbung ist alles!!!

Einen großen Dank an A.Westermann für die Fotos und das Layout ;-) 


März 2024

Auch im März konnten weitere Sperlingskauz-Nistkästen angebracht werden. 


Februar 2024

In den letzten Tagen wurden weitere Sperlingskauz-Nistkästen von Mitgliedern der AGESA und der SCRO-Gesellschaft zum Schutz und zur Erforschung von Eulen - "Sektion Deutschland" e.V. aufgehangen. Alle Nistkästen wurden durch Teilnehmer von Reha und Beruf gefertigt und uns für dieses Projekt zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle recht herzlichen Dank an alle Helfer ;-) . 


April 2023

 

Tätigkeitsbericht zum Wiederansiedlungsprojekt für den Steinkauz im nördlichen Harzvorland für das Jahr 2022

 

Die Aktivitäten im Berichtsjahr 2022 waren, obwohl es deutlich weniger Restriktionen als in den beiden Vorjahren gab, immer noch von den Aus- und Nachwirkungen Covid-19 Pandemie geprägt. Das dritte Jahr in Folge musste der Frühjahrs-Workshop zur Erläuterung der Erfassungsmethode im März leider ausfallen. Doch fanden die Erfassungen in den Habitaten wie in den Vorjahren statt. Im weiteren Jahresverlauf wurden die anfallenden Arbeiten zur Pflege der Streuobstwiesen ohne größere Arbeitseinsätze, aber nach kurzfristiger Absprache mit zwei bis drei Personen bewältigt.

Durch die gezielte Erfassung in den potenziellen Steinkauzhabitaten sowie durch Hinweise von anderen ehrenamtlichen Ornithologen und Naturschützern konnten erneut viele Nachweise von Steinkauzrevieren und Brutpaaren im Projektgebiet und darüber hinaus zusammengetragen werden (Abb. 1).

 

 

Abb. 1 Bestandsverlauf des Steinkauzes im nördlichen Harzvorland und im Großen Bruch.

 

 

Die meisten in den Vorjahren neu erlangten Nachweise von Steinkauz-Brutpaaren, konnten auch in diesem Jahr bestätigt werden. Ein wesentlicher Grund für die Beständigkeit und die geringen Verluste wird wahrscheinlich der milde Winter 2021/2022 sein. Erfreulicherweise wurde auch im Großen Bruch bei Wulferstedt erneut zwei Brutpaare festgestellt. Bei einem Brutpaar konnten zwei junge Käuze in der künstlichen Nisthilfe festgestellt und beringt werden. Neben diesen Nachweisen gibt es zudem Hinweise auf mindestens ein weiteres Revier in der Umgebung von Wulferstedt sowie eines im Hornhäuser Bruch. 

 

 

Abb. 2 Beringung der nestjungen Steinkäuze in Wulferstedt am Großen Bruch.

 

Insgesamt wurden in der Brutsaison 6 Jungvögel in drei kontrollierten Bruten beringt. Ursächlich für die geringe Reproduktion (FPFZ: 2,0) ist wahrscheinlich die geringe Abundanz von Kleinsäugern, die sich ebenfalls negativ auf die Reproduktion von anderen auf Mäuse spezialisierte Vögeln (z.B. Turmfalke, Mäusebussard) ausgewirkt hat.

 

Abseits des Projektgebietes wurden uns zudem zwei sichere Vorkommen des Steinkauzes im Raum Aschersleben (bei Drohndorf und Arnstedt) gemeldet. Die Fundorte liegen etwa 20 Kilometer östlich des Vorkommens bei Ballenstedt/Badeborn. Es ist somit gut möglich, dass es sich bei den beiden neu entdeckten Revieren um Nachkommen aus dem Projektgebiet handelt.

In der Auswilderungssaison 2022 wurden insgesamt 30 Steinkäuze ausgewildert. Die nachgezüchteten Jungtiere wurden an zwei Hauptstandorten ausgewildert. Die meisten Aussetzungen erfolgten bei Wulferstedt am Großen Bruch und im Raum Quedlinburg. 

 

Die langjährige Beweidung der Streuobstwiese auf der Gersdorfer Burg durch Heidschnucken wurde auch in diesem Jahr fortgesetzt. Zum Erhalt der Herde und zur Vermeidung von Inzucht besteht nun schon seit vielen Jahren ein gewachsenes Netzwerk aus Schafzüchtern, um regelmäßig Zuchttiere zu tauschen. Auch dies ist notwendig, um die ganzjährige Beweidung mit dieser robusten Rasse langfristig sicherstellen zu können.

Durch die Trockenheit der letzten vier Jahre sowie durch die winterlichen Stürme (insbesondere 2021/2022) wurde dem Altbaumbestand im Projektgebiet stark zugesetzt, sodass hier in den nächsten Jahren erhebliche Abgänge zu verzeichnen sind. Diese müssen nun zeitnah durch Nachpflanzungen kompensiert werden müssen.

 

In diesem Sinne hoffe ich auf weitere erfolgreiche Jahre für den Steinkauz in unserem Projektgebiet. 

 

 

 

Eckhard Kartheuser

2. Vorsitzender

 


März 2023

Baumpflanzaktion "Obstwiese"

 

Am 29.03. haben wir auf unserer Streuobstwiese neue hochstämmige Obstbäume gepflanzt, und zwar Kirschbäume, Apfel - und Birnbäume. Dieses Projekt dient zur Erhaltung der Streuobstwiesen und damit dem Erhalt eines äußerst wertvollen Lebensraumes. Dank großzügiger Spenden war dieses möglich. Hier nochmal einen recht herzlichen Dank an die Spender und an alle Beteiligten.  


Januar 2023

Unterstützung des Sperlingskauz-Nistkasten-Projektes

 

In Zusammenarbeit mit unserem Partner SCRO-Gesellschaft zum Schutz und zur Erforschung von Eulen "Sektion Deutschland e.V." hängen wir zur Zeit ca. 50 Sperlingskauz-Nistkästen im Harz auf, um die Sperlingskauzpopulation zu unterstützen. Dieses Nistkastenprojekt ist ein Gemeinschaftsprojekt der SCRO und Reha und Beruf. Weitere Infos über dieses Projekt findet Ihr auf der Website der SCRO unter "Projekte". 


 

September 2022

Tätigkeitsbericht zum Wiederansiedlungsprojekt für den Steinkauz im nördlichen Harzvorland für das Jahr 2021

 

 

 

Die Aktivitäten im Berichtsjahr 2021 waren erneut stark von der Covid-19 Pandemie geprägt. Das 2. Jahr in Folge musste der traditionelle Workshop zur Erläuterung der Erfassungsmethode im März leider ausfallen. Im weiteren Jahresverlauf wurden die gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Pflege- und Arbeitseinsätze auf den Streuobstwiesen auf ein Minimum an Tagen und Personal reduziert. So fand nur ein kleiner Pflegeeinsatz am Gegenstein bei Ballenstedt im April und auf der Streuobstwiese an der Gersdorfer Burg im Mai statt.

Durch die Erfassung im Jahr 2020 sowie durch Hinweise von anderen ehrenamtlichen Ornithologen und Naturschützern konnten erneut viele Nachweise von Steinkauzrevieren und Brutpaaren im Projektgebiet und darüber hinaus zusammengetragen werden (Abb. 1).

 

 

Abb. 1 Bestandsverlauf des Steinkauzes im nördlichen Harzvorland und im Großen Bruch.

 

 

Die im Vorjahr neu erlangten Nachweise von Steinkauz-Brutpaaren konnten auch in diesem Jahr bestätigt werden. Auch im Großen Bruch bei Wulferstedt wurden erneut zwei Brutpaare festgestellt. Bei einem Brutpaar konnten drei junge Käuze gefunden werden. Wenige Tage später konnte noch ein eben flügger Jungvogel in einer Steinkauz-Nisthilfe gefangen und beringt werden. Die Nestgeschwister hatten den Nistkasten zu diesem Zeitpunkt schon verlassen. Neben diesen Nachweisen gibt es zudem Hinweise auf mindestens ein weiteres Revier in der Umgebung von Wulferstedt sowie eines im Hornhäuser Bruch.

 

In der Auswilderungssaison 2021 wurden insgesamt 33 junge Steinkäuze ausgewildert. Die nachgezüchteten Jungtiere wurden an drei Hauptstandorten ausgewildert. Die meisten Aussetzungen erfolgten bei Wulferstedt am Großen Bruch und zwischen Quedlinburg und Badeborn (Bereich der Seweckenberge). 

 

Die langjährige Beweidung der Streuobstwiese auf der Gersdorfer Burg durch Heidschnucken wurde auch in diesem Jahr fortgesetzt. Um die Beweidung auch in den nächsten Jahren sicherstellen zu können, waren umfangreiche Reparaturen am Zaun notwendig. Obwohl Eichenspaltpfähle beim Zaunbau verwendet worden waren, war es nun so weit, dass einige davon ausgetauscht werden mussten. Aufgrund des äußerst harten und steinigen Bodens konnten die Arbeiten nicht allein durchgeführt werden, sondern wurden zum Teil von der Landschaftspflege-Gruppe der Evangelischen Stiftung Neinstedt umgesetzt.
Die bereits im letzten Bericht erwähnte Planung der Ersatzpflanzungen auf der Streuobstwiese bei Wegeleben konnten auch 2021 nicht durchgeführt werden und wurden erneut verschoben.

 

Durch die Trockenheit der letzten Jahre sowie durch die winterlichen Stürme wurde dem Altbaumbestand im Projektgebiet stark zugesetzt, sodass hier in den nächsten Jahren erhebliche Abgänge folgen werden, die durch Pflege verhindert und durch Nachpflanzungen dringend kompensiert werden müssen.

 

Aktuell befindet sich ein weiteres Gebiet für die Auswilderung im Raum Rieder neu in unserem Projekt, wo wir gemeinsam mit einer örtlichen Streuobstinitiative Streuobstwiesen revitalisieren und für die Auswilderung nutzen wollen.

 

Ein wichtiger Schritt für die weiteren Aktivitäten in unserem Wiederansiedlungsprojekt erfolgte durch die Verlängerung der Auswilderungsgenehmigung. Dies ist nun bis zum 31.07.2025 gültig. Wir sind somit zuversichtlich, dass unser Projekt bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreich weiterlaufen wird und wir den Steinkauz in unserem Projektgebiet weiter etablieren können.

 

In diesem Sinne hoffe ich auf weitere erfolgreiche Jahre für den Steinkauz in unserem Projektgebiet. 

 

 

 

Eckhard Kartheuser

2. Vorsitzender

 

 


Mai 2022
Happy End auf der Quedlinburger Bossewiese
Etwa vier Wochen alter kleiner Waldkauz wird auf der Straße gefunden. Was passiert ist und wie er wieder ins Revier der Altvögel kommt.
Von Petra Korn
 
 
Quedlinburg/MZ - Happy End für einen kleinen Waldkauz: Am Donnerstagmittag hockt das etwa vier Wochen alte Jungtier nicht nur wieder oben in einer alten Platane auf der Quedlinburger Bossewiese, dem Revier seiner Eltern. Eckhard Kartheuser, viele Jahre stellvertretender Leiter des Tierparks Thale und ehrenamtlich in der Arbeitsgruppe Greifvogel- und Eulenschutz Sachsen-Anhalt aktiv, konnte den kleinen Waldkauz auch direkt neben ein Geschwisterchen setzen.
Das Jungtier war am Mittwoch durch Schüler der Berufsbildenden Schulen gefunden worden; es saß auf der Straße. Die Jugendlichen brachten den kleinen Waldkauz in den Tierpark Thale, der eine staatlich anerkannte Auffang- und Pflegestation für verletzte und aufgefundene Wildtiere ist, sich um diese kümmert und etwa Tierarzt- wie Futterkosten selbst trägt. Eckhard Kartheuser nahm den Jungvogel wieder mit nach Quedlinburg, um ihn am Donnerstag zurück in das Revier der Eltern zu bringen. „Wenn man ihn weiter mit der Hand aufziehen würde, gäbe es eine Fehlprägung auf den Menschen. Das wäre nicht so gut. Das Beste sind immer die Eltern“, erklärt er.
Seit vielen Jahren Brutplatz
Dass er wie der Tierpark Thale wegen auf der Bossewiese gefundener junger Waldkäuze alarmiert werden, ist nicht neu. In einer der Platanen brütet schon seit vielen Jahren ein Waldkauzpaar, berichtet Eckhard Kartheuser. Eulen brüteten ab dem ersten oder dem zweiten Ei, hätten dann Junge „wie Orgelpfeifen“. Die Älteren verließen die Bruthöhle, obwohl sie noch nicht fliegen könnten, um möglichen Fressfeinden zu entgehen. „Wenn dann der Marder kommt, kriegt er das Nesthäkchen, aber nicht mehr alle.“ Die Jungtiere, die die Höhle verlassen haben, klettern auf dem Baum ganz nach oben; dort rufen die „Ästlinge“ nach ihren Eltern, die sie weiter füttern. Es passiert aber eben auch, dass die jungen Vögel herunterfallen. Üblicherweise klettern sie dann auf dem nächsten Baum wieder nach oben. Nur ist der Stamm der Platane ziemlich glatt, weshalb der junge Waldkauz das wohl nicht geschafft hat.
Eckhard Kartheuser hat vor, ihn in die bekannte Bruthöhle zu setzen. „Letzte Nacht waren die Altvögel hier und haben gerufen. Es ist also definitiv noch jemand zu Hause“, erklärt der Tierschützer. Während er eine Leiter aus seinem Fahrzeug auspackt, macht ihn ein Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, der gerade eine Sichtkontrolle an den Bäumen durchführt, darauf aufmerksam, dass im Nachbarbaum auch ein kleiner Waldkauz hockt.
Beringt und gewogen
Dass dieser aus einer anderen Brut stammen könnte, ist wenig wahrscheinlich, sagt Eckhard Kartheuser. Ein Waldkauzpaar habe sein Revier, andere würden hier nicht geduldet. Wobei des Revier des Bossewiesen-Paares durchaus noch weiter reichen könnte. „Es kann den Gröpern mit einschließen, es kann den Kleers mit einschließen. Das hängt maßgeblich vom Angebot an Beutetieren ab.“ Zu diesen zählen etwa Mäuse, Wühlmäuse - oder auch andere Jungvögel. „Da sind Waldkäuze keine Kostverächter.“
Dass es im Revier an der Bossewiese in diesem Jahr überhaupt Nachwuchs gibt, davon war Eckhard Kartheuser nicht ausgegangen. Im März war er angerufen worden, dass auf dem Boden ein Waldkauz liege. Der war vermutlich während des vorhergehenden Sturms gegen den Baum mit der Bruthöhle geprallt; dem sterbenden Altvogel war nicht mehr zu helfen. Obwohl im März die Brut hätte schon begonnen haben müssen, habe wohl doch noch eine Neuverpaarung stattgefunden. Die bekannte Höhle aber nutzt das Brutpaar nicht - sie ist leer.
Letztlich fällt die Entscheidung, den Jungvogel zu dem zweiten in die Astgabelung zu setzen. Zuvor aber beringt Eckhard Kartheuser - er ist auch Beringer bei der Vogelwarte Hiddensee - den jungen Kauz noch, misst seine Flügellänge - 192 Millimeter - und wiegt ihn - 420 Gramm. Auch der andere Jungvogel wird beringt, gemessen - seine Flügellänge beträgt 195 Millimeter - und gewogen, wobei die Anzeige der Waage ebenfalls bei 420 Gramm stehenbleibt. Dann setzt der Tierschützer die Beiden hoch in die Astgabelung der Platane. Möglich, dass sie am Abend wieder hinunterfielen. „Man muss gucken“, sagt er. „Eine knappe Woche noch“, schätzt er, „dann ist die Gefahr vorbei. Dann können sie fliegen.“

 


März/April 2022

Bei unseren Steinkäuzen tut sich was. Die ersten Paare beginnen mit der Familienplanung. Wir sind schon alle sehr gespannt wie sich die Brutsaison 2022 im Harzvorland entwickelt. Bis jetzt sieht es gut aus. Drücken wir alle den kleinen Käuzen die Daumen ;-)  

                   Foto: Annette Westermann                                                                                                                          Fotos: Thorsten Klein    

Aufnahme einer Steinkauzpaarung von Thorsten Klein 


 

Tätigkeitsbericht zum Wiederansiedlungsprojekt für den Steinkauz im nördlichen Harzvorland für das Jahr 2020

 

 

 

Die Aktivitäten im Berichtsjahr 2020 begannen mit großer Euphorie im Februar mit den Vorbereitungen der Bestandserfassung von Steinkäuzen in unserem Projektgebiet. Den schon fast traditionellen Workshop zur Erläuterung der Erfassungsmethode im März mussten wir leider aufgrund der Pandemie ausfallen lassen. Im weiteren Jahresverlauf wurden die gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Pflege- und Arbeitseinsätze auf den Streuobstwiesen auf ein Minimum reduziert. So fand nur ein Pflegeeinsatz auf der Streuobstwiese an der Gersdorfer Burg im Mai statt.

 

Durch die Erfassung im Jahr 2020 sowie durch Hinweise von anderen ehrenamtlichen Ornithologen und Naturschützern konnten so viele Nachweise von Steinkauzrevieren und Brutpaaren wie noch nie im bisherigen Projekt zusammengetragen werden (Abb. 1).

 

 

Abb. 1 Bestandsverlauf des Steinkauzes im nördlichen Harzvorland und im Großen Bruch.

 

 

Durch den besonderes engagierten Einsatz einer Naturschutzbeauftragten gelangen mehrere neue Nachweise von Steinkauz-Brutpaaren im Projektgebiet. Zudem wurde eine Steinkauzbrut in der Nähe von Ballenstedt fotografisch über die gesamte Saison begleitet und dabei interessante Einblicke in das Verhalten und „Familienleben“ während der Aufzuchtsphase der Jungvögel gewonnen.

 

Im Großen Bruch bei Wulferstedt wurden erneut zwei Brutpaare festgestellt. Bei einem Brutpaar konnten drei bis vier Jungvögel festgestellt werden. Neben diesen Nachweisen gibt es zudem Hinweise auf mindestens ein weiteres Revier in der Umgebung von Wulferstedt. Weitere Steinkauznachweise gelangen im westlichen Teil des Großen Bruches in der Nähe von Jerxheim und Hornburg (beide Niedersachsen). Laut Aussagen der Beobachter sind diese Reviere bereits im Jahr 2019 besetzt gewesen. 

 

Abseits des Projektgebietes wurde uns zudem ein Reviernachweis vom Steinkauz vom Petersberg (nördl. Halle/Saale) gemeldet. Dies ist äußerst interessant, da nicht klar ist, ob dieser Vogel aus dem Projektgebiet aus dem Harzvorland oder aus dem südlichen Sachsen-Anhalt stammen könnte. 

 

 

In der Auswilderungssaison 2020 wurden insgesamt 39 junge Steinkäuze ausgewildert. Die nachgezüchteten Jungtiere wurden an drei Hauptstandorten ausgewildert. Wegeleben und Ditfurt konnten in diesem Jahr nicht genutzt werden. Die meisten Aussetzungen erfolgten bei Wulferstedt am Großen Bruch und zwischen Quedlinburg und Badeborn (Bereich der Seweckenberge). 

 

Die langjährige Beweidung der Streuobstwiese auf der Gersdorfer Burg durch Heidschnucken wurde auch in diesem Jahr fortgesetzt.
Die bereits im letzten Bericht erwähnte Planung der Ersatzpflanzungen auf der Streuobstwiese bei Wegeleben konnten im Herbst 2020 nicht realisiert werden und wurde auf den Herbst 2021 verschoben. 

 

In diesem Sinne hoffe ich auf weitere erfolgreiche Jahre für den Steinkauz in unserem Projektgebiet. 

 

 

 

 

 

Eckhard Kartheuser

2. Vorsitzender

 

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