AKTUELLES


Mai 2022
Happy End auf der Quedlinburger Bossewiese
Etwa vier Wochen alter kleiner Waldkauz wird auf der Straße gefunden. Was passiert ist und wie er wieder ins Revier der Altvögel kommt.
Von Petra Korn
 
 
Quedlinburg/MZ - Happy End für einen kleinen Waldkauz: Am Donnerstagmittag hockt das etwa vier Wochen alte Jungtier nicht nur wieder oben in einer alten Platane auf der Quedlinburger Bossewiese, dem Revier seiner Eltern. Eckhard Kartheuser, viele Jahre stellvertretender Leiter des Tierparks Thale und ehrenamtlich in der Arbeitsgruppe Greifvogel- und Eulenschutz Sachsen-Anhalt aktiv, konnte den kleinen Waldkauz auch direkt neben ein Geschwisterchen setzen.
Das Jungtier war am Mittwoch durch Schüler der Berufsbildenden Schulen gefunden worden; es saß auf der Straße. Die Jugendlichen brachten den kleinen Waldkauz in den Tierpark Thale, der eine staatlich anerkannte Auffang- und Pflegestation für verletzte und aufgefundene Wildtiere ist, sich um diese kümmert und etwa Tierarzt- wie Futterkosten selbst trägt. Eckhard Kartheuser nahm den Jungvogel wieder mit nach Quedlinburg, um ihn am Donnerstag zurück in das Revier der Eltern zu bringen. „Wenn man ihn weiter mit der Hand aufziehen würde, gäbe es eine Fehlprägung auf den Menschen. Das wäre nicht so gut. Das Beste sind immer die Eltern“, erklärt er.
Seit vielen Jahren Brutplatz
Dass er wie der Tierpark Thale wegen auf der Bossewiese gefundener junger Waldkäuze alarmiert werden, ist nicht neu. In einer der Platanen brütet schon seit vielen Jahren ein Waldkauzpaar, berichtet Eckhard Kartheuser. Eulen brüteten ab dem ersten oder dem zweiten Ei, hätten dann Junge „wie Orgelpfeifen“. Die Älteren verließen die Bruthöhle, obwohl sie noch nicht fliegen könnten, um möglichen Fressfeinden zu entgehen. „Wenn dann der Marder kommt, kriegt er das Nesthäkchen, aber nicht mehr alle.“ Die Jungtiere, die die Höhle verlassen haben, klettern auf dem Baum ganz nach oben; dort rufen die „Ästlinge“ nach ihren Eltern, die sie weiter füttern. Es passiert aber eben auch, dass die jungen Vögel herunterfallen. Üblicherweise klettern sie dann auf dem nächsten Baum wieder nach oben. Nur ist der Stamm der Platane ziemlich glatt, weshalb der junge Waldkauz das wohl nicht geschafft hat.
Eckhard Kartheuser hat vor, ihn in die bekannte Bruthöhle zu setzen. „Letzte Nacht waren die Altvögel hier und haben gerufen. Es ist also definitiv noch jemand zu Hause“, erklärt der Tierschützer. Während er eine Leiter aus seinem Fahrzeug auspackt, macht ihn ein Mitarbeiter des städtischen Bauhofs, der gerade eine Sichtkontrolle an den Bäumen durchführt, darauf aufmerksam, dass im Nachbarbaum auch ein kleiner Waldkauz hockt.
Beringt und gewogen
Dass dieser aus einer anderen Brut stammen könnte, ist wenig wahrscheinlich, sagt Eckhard Kartheuser. Ein Waldkauzpaar habe sein Revier, andere würden hier nicht geduldet. Wobei des Revier des Bossewiesen-Paares durchaus noch weiter reichen könnte. „Es kann den Gröpern mit einschließen, es kann den Kleers mit einschließen. Das hängt maßgeblich vom Angebot an Beutetieren ab.“ Zu diesen zählen etwa Mäuse, Wühlmäuse - oder auch andere Jungvögel. „Da sind Waldkäuze keine Kostverächter.“
Dass es im Revier an der Bossewiese in diesem Jahr überhaupt Nachwuchs gibt, davon war Eckhard Kartheuser nicht ausgegangen. Im März war er angerufen worden, dass auf dem Boden ein Waldkauz liege. Der war vermutlich während des vorhergehenden Sturms gegen den Baum mit der Bruthöhle geprallt; dem sterbenden Altvogel war nicht mehr zu helfen. Obwohl im März die Brut hätte schon begonnen haben müssen, habe wohl doch noch eine Neuverpaarung stattgefunden. Die bekannte Höhle aber nutzt das Brutpaar nicht - sie ist leer.
Letztlich fällt die Entscheidung, den Jungvogel zu dem zweiten in die Astgabelung zu setzen. Zuvor aber beringt Eckhard Kartheuser - er ist auch Beringer bei der Vogelwarte Hiddensee - den jungen Kauz noch, misst seine Flügellänge - 192 Millimeter - und wiegt ihn - 420 Gramm. Auch der andere Jungvogel wird beringt, gemessen - seine Flügellänge beträgt 195 Millimeter - und gewogen, wobei die Anzeige der Waage ebenfalls bei 420 Gramm stehenbleibt. Dann setzt der Tierschützer die Beiden hoch in die Astgabelung der Platane. Möglich, dass sie am Abend wieder hinunterfielen. „Man muss gucken“, sagt er. „Eine knappe Woche noch“, schätzt er, „dann ist die Gefahr vorbei. Dann können sie fliegen.“

 


März/April 2022

Bei unseren Steinkäuzen tut sich was. Die ersten Paare beginnen mit der Familienplanung. Wir sind schon alle sehr gespannt wie sich die Brutsaison 2022 im Harzvorland entwickelt. Bis jetzt sieht es gut aus. Drücken wir alle den kleinen Käuzen die Daumen ;-)  

                   Foto: Annette Westermann                                                                                                                          Fotos: Thorsten Klein    

Aufnahme einer Steinkauzpaarung von Thorsten Klein 


 

Tätigkeitsbericht zum Wiederansiedlungsprojekt für den Steinkauz im nördlichen Harzvorland für das Jahr 2020

 

 

 

Die Aktivitäten im Berichtsjahr 2020 begannen mit großer Euphorie im Februar mit den Vorbereitungen der Bestandserfassung von Steinkäuzen in unserem Projektgebiet. Den schon fast traditionellen Workshop zur Erläuterung der Erfassungsmethode im März mussten wir leider aufgrund der Pandemie ausfallen lassen. Im weiteren Jahresverlauf wurden die gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Pflege- und Arbeitseinsätze auf den Streuobstwiesen auf ein Minimum reduziert. So fand nur ein Pflegeeinsatz auf der Streuobstwiese an der Gersdorfer Burg im Mai statt.

 

Durch die Erfassung im Jahr 2020 sowie durch Hinweise von anderen ehrenamtlichen Ornithologen und Naturschützern konnten so viele Nachweise von Steinkauzrevieren und Brutpaaren wie noch nie im bisherigen Projekt zusammengetragen werden (Abb. 1).

 

 

Abb. 1 Bestandsverlauf des Steinkauzes im nördlichen Harzvorland und im Großen Bruch.

 

 

Durch den besonderes engagierten Einsatz einer Naturschutzbeauftragten gelangen mehrere neue Nachweise von Steinkauz-Brutpaaren im Projektgebiet. Zudem wurde eine Steinkauzbrut in der Nähe von Ballenstedt fotografisch über die gesamte Saison begleitet und dabei interessante Einblicke in das Verhalten und „Familienleben“ während der Aufzuchtsphase der Jungvögel gewonnen.

 

Im Großen Bruch bei Wulferstedt wurden erneut zwei Brutpaare festgestellt. Bei einem Brutpaar konnten drei bis vier Jungvögel festgestellt werden. Neben diesen Nachweisen gibt es zudem Hinweise auf mindestens ein weiteres Revier in der Umgebung von Wulferstedt. Weitere Steinkauznachweise gelangen im westlichen Teil des Großen Bruches in der Nähe von Jerxheim und Hornburg (beide Niedersachsen). Laut Aussagen der Beobachter sind diese Reviere bereits im Jahr 2019 besetzt gewesen. 

 

Abseits des Projektgebietes wurde uns zudem ein Reviernachweis vom Steinkauz vom Petersberg (nördl. Halle/Saale) gemeldet. Dies ist äußerst interessant, da nicht klar ist, ob dieser Vogel aus dem Projektgebiet aus dem Harzvorland oder aus dem südlichen Sachsen-Anhalt stammen könnte. 

 

 

In der Auswilderungssaison 2020 wurden insgesamt 39 junge Steinkäuze ausgewildert. Die nachgezüchteten Jungtiere wurden an drei Hauptstandorten ausgewildert. Wegeleben und Ditfurt konnten in diesem Jahr nicht genutzt werden. Die meisten Aussetzungen erfolgten bei Wulferstedt am Großen Bruch und zwischen Quedlinburg und Badeborn (Bereich der Seweckenberge). 

 

Die langjährige Beweidung der Streuobstwiese auf der Gersdorfer Burg durch Heidschnucken wurde auch in diesem Jahr fortgesetzt.
Die bereits im letzten Bericht erwähnte Planung der Ersatzpflanzungen auf der Streuobstwiese bei Wegeleben konnten im Herbst 2020 nicht realisiert werden und wurde auf den Herbst 2021 verschoben. 

 

In diesem Sinne hoffe ich auf weitere erfolgreiche Jahre für den Steinkauz in unserem Projektgebiet. 

 

 

 

 

 

Eckhard Kartheuser

2. Vorsitzender

 

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